Das Edelmetall Platin hat im Laufe der Jahrhunderte einen starken Bedeutungswandel erlebt. In früheren Zeiten als lästig und hässlich verschrien, ist Platin heute ein industriell bedeutsames Material, das aufgrund seiner hohen Haltbarkeit, seiner Härte und seiner Dichte in vielen verschiedenen Bereichen eingesetzt wird.
Der Name “Platin” leitet sich vom spanischen Ausdruck “Platina” ab, der wiederum eine abschätzige Verkleinerungsform von “Plata”, zu Deutsch “Silber”, ist. Dies verdeutlicht den geringen Stellenwert, den Platin zeitweise besaß. Im 17. Jahrhundert etwa galt Platin als unreines und minderwertiges Gold, das ein Hindernis auf der Suche nach echtem Gold darstellte. So wurde das gefundene Platin entweder weggeworfen oder aber von Betrügern dazu verwendet, Goldfälschungen herzustellen. Dies veranlasste die spanische Regierung, den Export von Platin zu verbieten.
Sogar der Plan, sämtliches bis dahin gefundenes Platin im Meer zu versenken, wurde ins Auge gefasst. Das Umdenken setzte schließlich im 18. und 19. Jahrhundert ein. Der französische König Ludwig XV. erklärte Platin wegen seiner Seltenheit zu einem Metall, das nur Könige besitzen dürfen. Daraus entwickelte sich ein Ansturm auf Platin-Schmuck. Bald entstanden immer mehr Objekte aus diesem raren und festen Edelmetall. Peter Carl Fabergé beispielsweise verwendete Platin zur Herstellung eines seiner teuersten Fabergé-Eier. Auch der Trauerschmuck für die untergegangene Titanic wurde aus Platin gefertigt.
In der modernen Industrie wird Platin auf so vielfältige Weise verwendet, dass es längst höheren Wert als Gold und Silber besitzt. Damit stellt Platin eine interessante Geldanlage dar. Da Platin keine Flammenfärbung erzeugt, spielt es unter anderem eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Laborgeräten. Darüber hinaus besitzt Platin hervorstechende katalytische Eigenschaften und wird zur Anfertigung von Fahrzeugkatalysatoren und zur Salpetersäureherstellung verwendet. Die Glasindustrie setzt Platin als Glaseinschmelzlegierungen ein, während der Bereich Raumfahrt das Edelmetall zur Verkleidung von Raketen und zum Bau der Schubdüsen nutzt.
Auch die Medizin benötigt Platin und verwendet es zur Herstellung von Implantaten und Herzschrittmachern. Zudem enthalten viele Arzneimitteln gegen Krebs verschiedene Platin-Verbindungen. Gefragt ist Platin überdies im Schmuckmetier. Bei dem heutigen Platin-Schmuck handelt es sich zumeist um die Legierungen Fasserplatin, bestehend aus ca. 96 % reinem Platin und knapp 4% reinem Palladium, sowie Juwelierplatin, das sich aus etwa 96 % reinem Platin und ungefähr 4 % reinem Kupfer zusammensetzt. Da Platin deutlich härter und dichter als Gold ist, sind auch die Schmuckstücke schwerer. Weitere Gebrauchsgegenstände, in denen Platin verarbeitet wird, sind zum Beispiel Laserdrucker, Zündkerzen und Analysegeräte.
Platin wird noch vereinzelt in südafrikanischen und russischen Bergwerken abgebaut, doch vor allem fällt es als Nebenprodukt bei der Nickelraffination an. Platin kommt meist gemeinsam mit anderen Platinmetallen wie Iridium, Osmium, Palladium, Rhodium und Ruthenium vor, die Platin in ihrem chemischen Verhalten sehr stark ähneln. Die bekanntesten dieser Platinmetalle sind Palladium und Rhodium. Palladium ist ein Edelmetall und ein sehr guter Katalysator, wenn auch träger als Platin. In einigen Bereichen hat Palladium das teurere Platin bereits verdrängt, zum Beispiel bei der Herstellung von Abgaskatalysatoren. Zudem wird Palladium verwendet, um Gold zu entfärben und Weißgold zu schaffen. Rhodium ist derweil ein wichtiger Bestandteil von Fahrzeugkatalysatoren, da es Stickstoffmonoxid zu elementarem Stickstoff reduziert.
